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Der Künstler


Um ihn besser zu verstehen, muss man seine Eigenschaften kennen. Er ist sehr eitel und unsicher. Sein Stand hat sehr viel Blendendes: Freiheit, Unabhängigkeit, gute Bezahlung, Bewunderung und Gelegenheit, Städte und Menschen kennen zu lernen.

 

Wer einmal die Kunst zu seinem Beruf gemacht hat findet selten noch Geschmack an ernsthaften Geschäften. So muss es niemanden wundern, wenn der Künstler mehr verdient als ein Staatsminister und diesen herzlich bedauert, dass dieser nichts Besseres gelernt hat.

 
Doch nun die Sache näher betrachtet:

was für Menschen sind gewöhnlich diese Helden? Leute ohne Sitten, ohne Erziehung, ohne Grundsätze, ohne Kenntnisse. Die Hauptpunkte, worauf es ankommt, dass man dem Geschäft gewachsen ist,  Pünktlichkeit und Ordnung, sind ihnen fremd.

 

Bei dem allgemein einreißenden frivolen Geschmack unseres Zeitalters glaubt jeder seichte Kopf, den Beruf des Künstlers zu haben. Wir sehen ganze Herden solcher Künstler herumlaufen, die weiter nichts gelernt haben. Sie beherrschen nicht einmal die ersten theoretischen Grundsätze der Musik. Will man diesen Haufen von Dilettanten nicht gegen sich aufbringen, so darf man nicht laut sagen, dass sie Stümper sind. Deswegen erhalten Neid und Feindschaft immerwährenden Zwist unter den Kollegen.

 

Musik wirkt freilich wohltätig auf das Herz und bereichert die Phantasie. Da man aber nicht den ganzen Tag musizieren kann, bleiben viele Stunden des Tages auszufüllen, welche dann dem Wohlleben geopfert werden. Diese herrliche Wirkung verursacht jedoch mannigfaches Elend. Auf die Idee, diese Zeit sinnvoller zu nutzen, kommt er selten. Da er nicht die Kraft hat, sich dem unordentlichen Leben, den unglücklichen äußeren Verhältnissen und ökonomischen Umständen zu entziehen, fordert sein geschwächter Körper immer mehr berauschende Mittel, um den Geist niederzudrücken.

 

Traurig ist indessen, dass auch der wahrhaft große Künstler heutzutage, will er nicht dem Scharlatan das Feld räumen, sich zum Spaßmacher und Windbeutel erniedrigen muss, um sein Einkommen zu haben. So hat er ein Publikum, das ihm weder Aufmerksamkeit widmet noch Kenntnis der Kunst hat und er spürt, dass er seine Perlen den Säuen vorwirft. Und ist das Publikum seines Spiels überdrüssig, ist das so leichtfertig gewonnene Geld ebenso leichfertig wieder fort. So ist ein armseliges, dürftiges, kränkliches Alter nicht selten der letzte Auftritt des Musikerlebens.

 

(Anno 1788, frei nach Adolph Freiherr von Knigge)

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Thomas Väth | buero@tv-drummer.de